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Anim Textauszüge 3

Zwölf frühe Gedichte Folge 1

1. Stahlwerk

Hitze, glühende berstende Hitze

brennend, atemberaubend

schmelzend die weichen Gedanken

schmelzend den ganzen Schrott

schmelznend den Widerstand

brennend, atemberaubend

und aufsaugend, was mit brünstigem

Feuerhauch wiedergespien, erbrochen wird

Stahl, schmerzender, berstender

Stahl, Waffe gegen sich selbst

Schiene, zwischen den Fronten

Stahl, Hitze, berstende Gedanken

2. Vogelflug

trüber Himmel: ohne dieses Schwarz,

das dahingleitet, hinter Insekten herjagt

3. Ärger

es klappt nicht zwischen den Akten

hinter dem Vorgang steckt er der Ärger

4. Unfall

es ist passiert

ein Absturz, ein Entgleisen, ein Zusammenstoß

es hätte schiefgehen können

ein Balanceakt, ein Ausflug, ein Schnitt

ausgerechnet ausgerutscht

ausgelaufene Öle, ausgetretene Wege, ausgelatschte Schuhe

Polizeiauto, Krankenwagen, Feuerwehr, Notarzt

weiträumig abgesperrt

Stau auf folgenden Strecken

Foto ohne Leiche

in der Schlagzeile: Gaffer

5. Warnung

vor dem Hund

steht eine Schüssel

neben dem Hund

liegt eine Kette

vor dem Hund

liegt ein Knochen

hinter dem Hund

steht die Hütte

vor dem Hund

habe ich keine Angst

6. Pflug: Schrift

den Acker der Gedanken wenden

säen was wir ernten werden

der Worte satte Frucht

Idee die aus der Schale bricht

wird Hunger unsern enden

7. Der Mensch in seiner Zerbrechlichkeit

Ein alter Mann der malt.

Ein Junger der begreift.

Einfach nur dahockend

am Wein nippen.

8. Nachtnackt

Fugenlose Körperhäute

Heut wärmt mich satt

dein Körper fugenlos

liegt

Seel an Seel

Heut nacht liegt warm

Rumpf dein zieht an

Bein in den Schlaf

wiegt

Nacht uns nackt

9. Der Anzug

"Kälte kann töten." warm gibt die Jacke

mir zu denken am Bettler vorbei.

Wie entblößt hemdsärmelig der Griff

in meine Tasche: "Das bist Du."

10. Drei Portraits

Lachen ist das einzige Grübeln,

dass sich dort in das Gesicht schmiegt

Angst schneidet sich in das Gesicht und Sorge

kerbt entschieden sich zwischen die Brauen

Die Hörner des Teufels

sind nichts gegen die Mundwinkel

die sich entgegengesetzt zu jenen

nämlich nach unten vergrämen zwöf  frühe Gedichte Folge 3

11. Kopf los

Von einem Weib besiegt den Kopf zurechtgerückt

gar dampft da Schrecken aus den leeren Töpfen

und besser wer das Messer uns ein rechtes Maß

die Welt wird ohne Kopf betrachtet

auch nicht besser nur wird bemerkt

dass vorher auch schon kopflos in das Unglück fügten

uns die, die uns so dreist belügten

12. Kleine Fabel

Ein Mann, eine Laterne, ein Rabe baut ein Nest an der Laterne

"Geh mir aus dem Licht!

Das ist meine Laterne."

wirft der Mensch mit Steinen

um den Raben zu vertreiben

Der Mensch trifft die Laterne

da geht das Licht aus

da war es finster

und der Rabe krächzte

"Das hast du nun davon. Aus mit Licht."

Der Mann verstand weiter nur Krah, Krah.

Und die Moral von der Geschicht,  

Menschen verstehen Tiere nicht

und Menschen verstehen Gedichte nicht.

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